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Brief eines F-Juniorenspielers an seinen Vater

Weißt du Papa, dass ich aus Wut fast zu weinen begonnen habe, als Du aufs Ersatz-Goal ** geklettert bist und gegen den Schiedsrichter geschrieen hast? Noch nie habe ich dich so wütend gesehen!

Vielleicht ist es ja auch wahr, dass der Schiedsrichter im Unrecht war. Wenn ich auch das Match „wegen des Schiedsrichters“, wie du sagst, verloren habe, so habe ich doch gleichwohl Spaß gehabt. Aber begreife bitte, Papa, dass ich nur spielen will. Ich bitte Dich, mir diese Freude zu lassen und mir nicht andauernd Empfehlungen wie „Schießen!“ oder „Abspielen!“ zu geben. Du meinst es gut, aber es macht mich nur nervös.

Noch etwas, Papa: Werde nicht wütend, wenn mich der Trainer auswechselt und mich nicht immer spielen lässt. Ich habe auch Spaß, wenn ich auf der Bank sitzend meinen Freunden zuschaue. Wir sind schon so viele, und es ist richtig, alle spielen zu lassen. Und sei so gut und zeige mir, wie ich meine Fußballschuhe putzen muss. Es ist nicht schön, dass Du es für mich machst. Ich muss es selber lernen. Und lass mich doch meine Tasche selber tragen: Schau, darauf steht doch der Name meiner Mannschaft, und es gefällt mir, wenn jeder sieht, dass ich Fußball spiele.

Papa, bitte sag Mama nach dem Spiel nicht, „heute hat er gewonnen“ oder „er hat verloren“. Sag ihr, dass ich sehr viel Freude hatte und nichts weiter. Und dann möchte ich Dich bitten, nicht zu erzählen, dass ich gewonnen habe, weil ich ein wunderschönes Goal gemacht habe: das ist nicht wahr, Papa! Ich habe den Ball ins Goal geschossen, weil mir mein Mitspieler einen schönen Pass gespielt hat. Mein Goalie *** hat alles gehalten, und zusammen mit den anderen Mitspielern habe ich mich wahnsinnig angestrengt. Deshalb haben wir gewonnen (der Trainer hat uns das gesagt!).

Werde nicht wütend, Papa, dass ich Dir dies alles gesagt habe. Du weißt ja, wie gern ich dich habe. Aber jetzt ist es schon spät. Ich muss zum Training rennen. Sonst komme ich zu spät, und dann lässt mich mein Trainer das nächste Mal nicht von Anfang an spielen.

Dein Daniel

* Dieser Brief ist erschienen in dem vom Schweizerischen Fußballverband herausgegebenen Kinderbuch „Laura und ihre Freunde träumen vom großen Spiel“. Mit diesem Bilderbuch sollen Kindern und ihren Eltern der Einstieg in einen Fußballklub erleichtert werden. Die Erlebnisse von einem Mädchen und drei Jungen rund um ihren Platz, dem „Rüebliacker“, ihrem Trainer sowie ihrem „FC Kickers“ eignen sich bestens zum Vorlesen. Erstklässler können sie selber lesen.